Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Beginn

"Lorna, ständig diese schlechten Schulnoten! Ich kann sie nicht mehr sehen! Dein Dad und ich halten das Internat wirklich für die beste Lösung. Wie soll denn sonst jemals etwas aus dir werden?“, behauptete meine Mutter.

"Und ich halte es wie schon oft gesagt für eine Scheissidee", erwiderte ich unbeeindruckt und verschränkte die Arme.

"Die Entscheidung steht doch schon fest Lorna. Du wirst ins Internat gehen", meinte mein Vater.

Ich warf ihm einen wütenden Blick zu und sagte mit deutlich lauterer Stimme: "Und was ist mit all meinen Freunden?

Denkst du ich lass mir von euch und euren dämlichen Ideen einfach mein Leben zerstören?"

"Hahaha welche Freunde denn bitte? Ausserdem gibt es auch im Internat viele andere Schüler, die genauso unfähig in der Schule sind wie du."

"Pete -"

Doch ich erfuhr nie was meine Mutter hatte sagen wollen, denn meine Geduld riss und ich sprang vom Stuhl auf, schmiss dabei mein Glas um, stürmte in mein Zimmer und knallte die Tür zu. Weinend warf ich mich auf mein Bett. Wie kann er bloss so etwas sagen? Naja eigentlich stimmt das, was er sagt ja schon. In der Schule bringe ich nichts, aber wirklich auch gar nichts auf die Reihe. Ich schnappte mein Handy, welches neben dem Bett auf dem Nachttischchen lag und steckte die Kopfhörer ein. Langsam driftete ich in die Musik und vergass für eine Weile meine dummen Eltern und das dumme Internat. Ich hörte dem Sänger meiner Lieblingsband aufmerksam zu und übersetzte die Songtexte automatisch in meinem Kopf. Sie passten einfach genau zu meinem Leben.

 

Ich wusste nicht mehr wie und wann ich eingeschlafen war, als ich am nächsten Morgen in den Kleidern vom Vortag erwachte. Noch ganz verschlafen schaute ich auf die Uhr.

"Verdammt!"

Sofort kramte ich meine Schulsachen unter dem Bett hervor und war nun doch froh, gestern in meinen Kleidern eingeschlafen zu sein.

In der Schule angekommen, bekam ich natürlich wie erwartet, erstmal eine Standpauke von meinem Lehrer. Während ich so tat, als ob ich mir die Moralpredigt tatsächlich anhören würde, fragte ich mich weshalb ich nicht einfach zuhause liegen geblieben bin.

„Und jetzt setz dich an deinen Platz, vielleicht lernst du ja noch was!“

Ich warf meinem Lehrer einen abwertenden Blick zu und schritt auf meinen Platz zu, wo ich natürlich auch den Rest der Stunde nichts lernte und stur hocken blieb.

 

"Lorna ich möchte morgen pünktlich losfahren, also pack jetzt endlich deine Sachen!", nervte meine Mutter. Ich rollte die Augen und brummte nur

"Ja geh' ja gleich."

"Wenn du am ersten Tag in der neuen Schule schon zu spät kommst, macht das keinen sonderlich guten Eindruck. Wann hast du denn vor, alles zu packen? Morgen?"

Beinah hätte ich gelacht, als ob ich vorhätte einen guten Eindruck zu machen, also ehrlich. Genervt erhob ich mich von der Couch, schlenderte die Treppe hoch und verschwand in meinem Zimmer. Nun war es entschieden. Ich musste tatsächlich in ein Internat wechseln. Niemals hätte ich gedacht, dass meine Eltern das ernst meinten. Nur schon beim Gedanken an das Internat, wurde ich wieder wütend. So liess ich extra provokant Musik dröhnen und kramte den Koffer aus dem Abstellschrank. Diesen habe ich noch nie gebraucht, denn ich hatte leider nie das Glück, in den Urlaub zu fahren, wie alle anderen meiner Schule. Ich riss die Schranktüren auf und stopfte meine liebsten Kleidungsstücke in den Koffer.

Irgendwann als ich schon eine Weile nur noch sinnlose Dinge in den Koffer warf, beschloss ich, dass es genug war und schloss mit Mühe das Gepäckstück. Meine Laune sank immer weiter und schliesslich ging ich ins Bett ohne mich unten blicken zu lassen. Ich werde es morgen wahrscheinlich bereuen nichts gegessen zu haben, doch das war mir jetzt egal.

Ich lag in meinem Bett und starrte zur Decke. In meinem Kopf schwirrten gerade so viele Gedanken herum.

Wieso tun sie mir das an, wieso kann nicht einmal etwas so sein wie ich das will? Was wenn diese Schüler alle seltsam sind und ich niemanden kennenlerne? Aber eigentlich will ich nicht mal jemanden kennenlernen, ich will da nicht mal hin. Kann mein Leben nicht einfach normal sein? Kann meine Familie nicht einfach normal sein?! Wie komm ich dort so schnell wie möglich raus?

Meine Gedanken schwirrten immer schneller und lauter durch meinen Kopf, ich presste mein Kissen auf mein Gesicht und wünschte mir dass ich aufhören könnte zu denken. Doch ich bekam plötzlich Panik davor, in dieses Internat zu gehen. Ich wurde die Gedanken einfach nicht los. Das Stimmengewirr in meinem Kopf übertönte die laute Musik, die ich noch immer angelassen hatte, und nahm mich komplett ein. Ich hatte das Gefühl in meinen Gedanken zu ertrinken.

Plötzlich schreckte ich ganz ruckartig nach oben und schrie durch das ganze Zimmer. Mit Tränen überströmtem Gesicht starrte ich ins Dunkle. Das alles machte mich einfach wahnsinnig. Ich hörte Schritte die sich näherten, meine Zimmertür öffnete sich und mein Vater stand zwischen dem Türrahmen.

"Was's denn los?", stotterte er und torkelte auf mich zu.

Oh nein nicht das auch noch. Mein Vater hatte anscheinend wieder einmal etwas zu viel getrunken am Abend in der Bar und so roch ich den Alkohol bis zu meinem Bett.

"Nichts, nichts ist los." Meine Stimme klang rau, doch ich bezweifelte, dass er dies in seinem Zustand wahrnahm. Er lachte auf einmal und meinte:" Morgen bin ich dich endlich los Mädel."

Er drehte sich um und stolperte wieder aus dem Zimmer. Was war denn das jetzt? Wieso will mich mein Vater los haben? Wie kann man bloss so kaltherzig sein, wie er? Wieso hatte er sich damals dazu entschieden, Kinder in die Welt zu setzten, wenn er sie sowieso nicht möchte? Die Tränen von vorhin waren noch nicht ganz getrocknet und schon flossen neue in Strömen über meine Wangen. Ich weinte lautlos, aus Angst wieder gehört zu werden. Ich liess mich zurück in mein Kissen fallen und wartete auf den erlösenden Schlaf.


Am nächsten Morgen schmiss ich noch die letzten Sachen in meinen Koffer und stieg dann ins Auto ein. Meine Mutter fuhr mich zum Bahnhof. Nach einem eher kurzen Abschied begab ich mich auf den Weg zum Gleis. Der Zug war schon eingefahren und ich suchte mir ein leeres Abteil. Von meinem Vater hatte ich mich nicht mal verabschiedet, da er wohl lieber seinen Rausch ausschlief als seiner Tochter auf Wiedersehen zu sagen. Ich seufzte leise, bevor ich meine Kopfhörer einsteckte und die vorbeirasende Landschaft durch das Zugfenster beobachtete.

Nach ziemlich genau zwei Stunden, kam ich endlich beim Internat an. Ich blieb auf dem Schulhof stehen und gähnte erstmal. Kritisch starrte ich auf das Gebäude, welches direkt vor mir stand. Es war kahl und passte nicht in die Landschaft. Das monoton gehaltene Bauwerk war mir wie ein Dorn im Auge. Die Fassaden waren grau und es besass nur kleine Fenster. Der Schulhof hatte einige karge Bäumchen und wirkte schrecklich leer. Neben dem Schulhaus stand ein einziger Basketballkorb und daneben rollte ein Ball davon. Dieses Gebäude machte einen unheimlichen Eindruck auf mich. Da gerade Unterrichtszeit war, sah man keine Menschenseele auf dem Areal, was alles noch lebloser erscheinen liess und ich traute mich fast nicht endlich die Eingangstür zu öffnen und das Schulhaus zu betreten.

Ich stand in einer grossen Eingangshalle und eine junge Lehrerin mit sehr langem Haar schlenderte gerade an mir vorbei.

"Guten Tag, kann ich dir irgendwie behilflich sein?"

Erst stand ich wie angewurzelt da, doch als die Lehrerin mir noch einen fragenden Blick zuwarf, antwortete ich hastig:" Ähh...ja gerne" Ich räusperte mich kurz und fuhr fort: "Ich bin Lorna Frost, ich soll mich im Rektorat anmelden"

"Ins Rektorat willst du? Da bring ich dich gleich hin."

Sie wies mir den Weg und verabschiedete mich vor der Tür des Rektorats wieder. Ich klopfte an und wartete einen Moment, bis die Tür geöffnet wurde und eine steinalte Dame mit grauen Haaren heraustrat. Ich hörte ein leises Klicken und sah, wie die Dame eine dämliche, rote Magnetbrille auf ihre Nase setzte. Sie musterte mich und bat mich einzutreten. Sie schob mir einen Stuhl hin und ich nahm zögerlich Platz.

Nach einer Unmenge an Papierkram, den ich ausfüllen musste, bekam ich endlich, für mich die einzig notwendige Information, die Klassenzuteilung. Ich erkundigte mich noch nach dem Weg und verabschiedete mich von der Rektorin, die mir gänzlich unsympathisch war.


Ich nahm die letzten paar Stufen auf mich und sah mich nach dem richtigen Schulzimmer um. Als ich es gefunden hatte, steuerte ich darauf zu und klopfte. Die Tür wurde geöffnet und ein aufgestellter Mann mit rundem Bauch und Vollbart begrüsste mich:" Ich bin Mr. Hartshorn. Du musst Lorna sein, nicht wahr?"

Bemüht nicht über seinen Namen zu schmunzeln, stimmte ich ihm mit einem Nicken zu.

"Komm doch rein, dann kannst du dich gleich der Klasse vorstellen."

Ich folgte ihm zurückhaltend und stellte mich ganz kurz und knapp vor. Ich setzte mich daraufhin so schnell wie möglich ganz weit nach hinten, wo noch niemand sass und wartete die Stunde ab. Mr. Hartshorn erklärte der Klasse gerade wie man ein lineares Gleichungssystem löste. Da ich nicht das Bedürfnis nach diesem Wissen hatte, lehnte ich mich zurück und stützte meinen Kopf auf meinen Händen ab. Die ganze Stunde tat ich nichts und ging somit meinen alten Gewohnheiten nach. Am Rande nahm ich das Starren meiner neuen Mitschüler war, doch ignorierte sie gekonnt. Noch musste ich nicht mit ihnen konfrontiert werden. Trotzdem schaute ich mich nach ein paar Schülern um, die auf mich sympathisch wirkten und mit welchen ich mich vielleicht gerne anfreunden würde.


Endlich klingelte es und die Schüler verliessen eilig das Zimmer. Ich schlenderte ebenso nach draussen und folgte dem Schülerstrom in die Kantine. Mit dem Tablett in der Hand schaute ich mich im Raum um. Ganz hinten sass eine Gruppe von Jungs, die meinem Wissen zufolge nicht in meine Klasse gingen. Gleich am Nebentisch unterhielten sich drei Mädchen, welche ich zuvor schon im Matheunterricht bei Mr. Hartshorn gesichtet hatte.


[Zu wem soll Lorna sich setzen?]