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"Ja, ich will"

Ich kreischte noch einmal los, fiel Tyler in die Arme und küsste ihn. Über mein Gesicht kullerten Freudentränen und ich konnte mein Glück kaum fassen.

"Das mit dem Essen ist halb so schlimm, wir gehen heute nämlich richtig gut in einem Restaurant am See essen", sagte Tyler und als wir uns endlich wieder losliessen, zog ich ein figurbetontes, lachsfarbenes Kleid an.

Ausnahmsweise war Tyler nicht so ungeduldig wie sonst immer als ich mich schminkte und gefühlt schon eine Stunde im Badezimmer verweilte. Vielleicht lag es auch nur daran, dass er diesen Abend einfach geniessen wollte und es einen der schönsten Abende lassen werden wollte. Was ihm allein schon mit dem Heiratsantrag gelang.

Mit einem Dauergrinsen auf dem Gesicht öffnete ich dann endlich die Badezimmertür und wir machten uns Hand in Hand auf den Weg zum See.

 

Es war mittlerweile nur noch ein Monat bis zur Hochzeit und wir trafen die letzten Vorbereitungen mit Tylers älteren Schwester, welche wir als Trauzeugin bestimmt hatten. Geplant war eine hübsche, kleine Kapelle am See, in der ich schon immer einmal heiraten wollte, das wusste ich schon als Kind.

Da Tyler und ich beide fürs Leben gerne assen, organisierte unsere Trauzeugin ein riesiges Buffet, was bestimmt allen Gästen etwas Leckeres bot.

"Und was ist eigentlich mit der Hochzeitstorte? Die haben wir ja noch gar nicht bestellt", bemerkte ich und warf die Hände an meinen Kopf.

"Ach mach dir keine Sorgen. Ich habe schon lange eine auf euch angepasste Torte beim Bäcker bestellt. Das wird eine Überraschung an euch", meinte Tylers Schwester beruhigend. 

Sie und meine Mutter suchten mit mir bereits vor einigen Monaten mein Brautkleid aus und ich konnte es kaum erwarten, es endlich tragen zu können. Nur noch ein Monat und mein Name würde endlich Lorna Collins sein, nicht mehr Lorna Frost. 

 

Es war so weit. Ich stand vor der Kapelle und neben mir mein Bruder Andrew. Er würde mich zum Altar begleiten, da ich keinen Kontakt mehr hatte zu meinem Vater und ich ihn auch nicht gerne an meiner Hochzeit dabei gehabt hätte. 

Alle Gäste sassen bereits auf den Holzbänken der Kapelle und ich spürte wie mein Herz schlug. Ich war so aufgeregt und spielte nervös mit dem Tüll meines Kleides. 

Andrew und ich hakten gegenseitig unsere Arme ein als das Orgelspiel began und betraten mit langsamen Schritten die Kapelle. Mein langes, weisses Kleid schliff hinter mir über den Steinboden und die Glitzersteine auf meiner Corsage funkelten unter dem grossen Kronleuchter. Alles war still bis auf das schöne Orgelspiel. Ich fühlte mich wie eine Prinzessin in meinem Kleid und dem edlen Diadem auf dem Kopf. Meine Haare waren gewellt und das Diadem wurde schön in meine Haare eingearbeitet. Mit einem leichten Lachen auf dem Gesicht und gehobenen Kopf, näherte ich mich langsam dem Altar. Normalerweise mochte ich es nicht besonders, wenn mich alle Leute anschauten, doch in diesem Moment genoss ich es.

Am Altar wartete Tyler ungeduldig auf mich in seinem edlen Anzug. Ich sah wie er sich eine Träne abtupfte und auch ich musste gegen die Tränen ankämpfen. 

Nach der berührenden Rede des Pfarrers stellte er endlich die Frage aller Fragen.

"Ich frage dich, Tyler Collins. Wollen sie ihre Frau lieben und achten und ihr die Treue halten alle Tage ihres Lebens?"

"Ja, ich will"

"Ich frage nun dich, Lorna Frost. Wollen sie ihren Mann lieben und achten und ihm die Treue halten alle Tage ihres Lebens?"

"Ja, ich will"

"So schliessen sie jetzt den Bund der Ehe, indem sie das Vermählungswort sprechen und einander den Ring der Treue anstecken."

Mit zittrigen Fingern nahm Tyler den Ring in die Hand und schaute mir tief in die Augen

"Trage diesen Ring als Zeichen unserer Liebe und Treue."

Er steckte mir den Ring vorsichtig an meinen Finger und nun nahm auch ich seinen Ring aus dem Kistchen. Ich hielt seine Hand und auch ich sagte ihm dabei:" Trage diesen Ring als Zeichen unserer Liebe und Treue."

Wir küssten uns und vergassen für einen Moment alles um uns herum, ein Moment für uns ganz alleine.

Die Gäste applaudierten und einige wischten sich die Tränen mit einem Taschentuch ab. 

Nach der Zeremonie schritten Tyler und ich nun gemeinsam aus der Kapelle ins Freie. Ich konnte es kaum fassen. Nun war ich Lorna Collins. Ich habe endlich den Mann meines Lebens geheiratet, den Mann den ich nun schon seit über 10 Jahren kannte und immer zu mir hielt auch nach einem Streit. Ich dachte an die Zeit im Internat zurück. An den Moment, an dem ich Tyler das erste mal gesehen habe und sofort Augen für ihn hatte. Ich erinnerte mich auch noch genau an unseren ersten Kuss und an den Tag, an dem wir zusammen kamen. Es war der 2. Juni, nun auch unser Hochzeitsdatum. Ein Tag mit besonderer Bedeutung. 

Immer noch ziemlich berührt fuhren wir gemeinsam mit den Gästen zu der nächsten Location, wo wir uns den Bauch voll schlugen an unserem riesigen Buffet. Von Salat, Nudeln, Fleisch und vielem mehr, war alles dabei. Gerne hätte ich von allem probiert, doch ich hatte keine Chance, alles runterzukriegen. Zudem musste ich den Rest vom Tag noch in mein Kleid passen.  

Es wurde viel gefeiert und viel gelacht mit Familie und Freuden als die traditionelle Hochzeitstorte in den Saal gefahren wurde. Sie war drei stöckig, in rot und weiss und ganz zu oberst standen unsere Namen in einem Herz. Tyler und ich schnitten die Torte gemeinsam an und proebierten das erste Stück. Die Überraschung ist Tylers Schwester voll und ganz gelungen, die Süssspeise schmeckte unfassbar gut. Der Anblick wie alle Gäste die Torte genüsslich verspiessen und dabei kein Wort miteinander redeten, war einfach zu lustig und bewies, dass Tylers Schwester offensichtlich die richtige Wahl getroffen hatte.

Es wurde weitergefeiert und einige Spiele dienten zur Unterhaltung aller Leute.

 

Es war fast halb drei Uhr morgens. Die letzten Gäste verabschiedeten sich von uns und wir sassen alleine in dem grossen Raum. 

Tyler schloss mich ins einen Arm und ich lehnte meinen Kopf an ihn.

"War das nicht ein wunderschöner Tag?", fragte mich Tyler.

"Das war nicht nur ein wunderschöner Tag, das war der allerschönste Tag in meinem ganzen Leben."

"Ja, das war er."

Ich schaute zu Tyler hoch und küsste ihn.

 

Ende