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Nein, Lorna lässt sich nicht helfen

Mit glasigen Augen blickte ich den Mann an.

„Dir ist nicht zu helfen, du hättest nicht einmal Hilfe verdient! Sieh ein, dass du unbrauchbar bist. Tu dir selbst einen Gefallen und gib auf. Du weisst, dass ich erst dann schweige, wenn du es auch tust. Für immer!“

War das so? Vielleicht stimmt es wirklich. Vielleicht sind manche Menschen nicht dafür gemacht am Leben zu sein, einfach weil sie irgendwie kaputt gegangen sind, oder nie heil waren. Sachte schüttelte ich den Kopf. Ich hatte mich entschieden. Mein Weg führte nur zu einem Ziel und ich war es leid Umwege zu nehmen. Ich werde es beenden. Ein für alle mal.

„Du tust das Richtige, erlöse die Welt von jemandem wie dir!“

„Lorna, ich denke wirklich, dass es die einzige Möglichkeit wäre, dir zu helfen", meinte Doktor Roy mit einem besorgten Unterton in der Stimme.

"Mir kann man nicht helfen, die Stimme wird nicht verschwinden, sie hat es gesagt."

"Lorna, es tut mir leid, was du durchmachen musst, aber du brauchst Hilfe!"

Ich schüttelte müde den Kopf und liess mich zurück in die Kissen des Krankenhausbettes fallen. Ich war zu entkräftet um weiter zu diskutieren und umstimmen lassen, werde ich mich sowieso nicht. Mit einem langen Seufzer liess Doktor Roy schlussendlich nach und trat zurück.

„Lass es dir nochmal durch den Kopf gehen.“

Doch wozu sollte das gut sein? Alles was durch meinen Kopf geht, sieht auch die Stimme. Und die Stimme würde mich auch davon abhalten Hilfe anzunehmen, selbst wenn ich mir helfen lassen wollte.

„Sollen wir jemanden für dich anrufen?“, hörte ich die Stimme des Arztes nochmal.

„Deine Eltern, oder Freunde vielleicht?“

Ich sah ihn kalt an.

„Was denken Sie, wieso noch niemand hier ist? Meine Familie schert sich einen Dreck um mich und Freunde hab ich auch keine…ausserdem, will ich sowieso allein sein.“

Das war ausserdem ein verborgener Wink an den Doktor, dass er sich doch bitte endlich verziehen sollte und oh Wunder, er verstand. Ich hörte seine Schritte noch leise durch die leeren Korridore hallen, dann war ich alleine und nur noch das Surren und Piepen der Monitore um mich herum, störten die Stille im Raum.
Angsteinflössendes Stimmengewirr, flüsternde Gedanken die wie Messerklingen durch mich hindurch stachen. Panik befiel mich und raubte mir den Atem. Meine Wahrnehmung schwand und ich war wie in Trance. Irgendwie musste ich das Krankenzimmer verlassen haben. Nach Luft ringend versuchte ich mich zu beruhigen und mir einzureden, dass alles bloss ein wirrer Traum sei. Ich begann zu rennen. Es war, als wäre mein Körper in Watte gepackt worden, denn ich spürte meinen eigenen Körper nicht. Mein Sichtfeld war verschwommen und das weisse Licht im Krankenhauskoridor machte alles noch unklarer. Ich sah Pflegekräfte und Ärzte, ihre Gesichter waren verzerrt und sie schienen etwas zu rufen, doch kein Laut drang durch zu mir hindurch. Ich sah aus meinen Augenwinkel Hände, die mich festhielten, doch ich konnte die Griffe nicht auf meiner Haut fühlen. „LAUF!“ kreischte die Stimme in meinem Kopf und widerstandslos gehorchte ich. Ich riss mich los und ergriff die Flucht. Die Zeit schien stehen zu bleiben und ich gab mich dem Tunnelblick hin. Ich stiess alles von mir ab, was mich aufhielt, fühlte keinen Aufprall. Endlich erreichte ich den Ausgang. Ich drehte mich nicht noch einmal um, schaute nicht noch einmal zurück. Ich barst durch die Tür und rannte. Gleich ist alles vorbei…

 

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