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Nein, Lorna soll ihre Rache nicht durchführen

Ich sass noch eine lange Zeit auf meinem Stuhl und dachte darüber nach, ob ich mich wirklich an Haley rächen sollte und dafür die Beziehung mit Tyler aufs Spiel setzen sollte. Sie hätte es sowas von verdient und ich hätte zu gerne ihre Reaktion gesehen, wenn überall auf dem Schulareal dieses eine hässliche Bild von ihr gehangen wäre. Doch ich entschied mich gegen eine Rache-Aktion auch wenn ich die grösste Lust dazu gehabt hätte. Das einzige was mich davon abhielt, war Tyler. Ich wollte das Risiko nicht eingehen, das Tyler Schluss machte. Aber trotzdem musste ich mich noch bei ihm entschuldigen dafür, dass ich ihn vorhin so angefahren hatte. Ich gestand mir ein, dass Tyler einfach viel überlegtere und erwachsenere Entscheidungen traf als ich und ich in Zukunft besser auf ihn hören sollte. Doch ich beschloss noch bis Morgen oder länger zu warten mit der Entschuldigung bis auch Tyler sich wieder beruhigt hatte. Ich hoffte, dass alles wieder gut würde, wenn ich mich entschuldigt hatte.

Geplagt von meinem schlechten Gewissen machte ich mich anschliessend bettfertig. Ich wollte diesen Tag einfach nur noch abhaken und wünschte mir, dass er nie geschehen wäre. Erst nach einer Weile realisierte ich, was ich heute alles angestellt hatte und wie unrecht ich Tyler getan hatte. Mir ging es gerade echt beschissen und ich begann zu weinen. Ich schlurfte zur Tür und wollte mich auf den Weg zu Tyler machen, doch ich drehte mich wieder um und lag zurück ins Bett. Ich konnte nicht eine Stunde später schon wieder bei ihm auftauchen. Er war bestimmt noch wütend auf mich. Ich kuschelte mich in meine Decke und hörte zur Ablenkung noch ein wenig Musik bis ich schlussendlich einschlief. 

 

Am nächsten Morgen fühlte ich mich immer noch ziemlich mies. Ich ging gleich bei Öffnung der Kantine frühstücken um auf keinen Fall Tyler zu begegnen. Ich war noch nicht bereit, mit ihm zu sprechen, obwohl eher er als ich allen Grund dazu gehabt hätte. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich so ein unfassbar schlechtes Gewissen hatte und ihn deshalb nicht sehen wollte oder konnte. Kaum hatte ich den letzten Bissen meines Brotes runter geschluckt, begab ich mich wieder in mein Zimmer. Ich wusste so konnte es nicht weitergehen. Tyler ständig auszuweichen war keine Dauerlösung und ausserdem würde das unserer Beziehung nicht wirklich gut tun. Es klopfte an meiner Tür und ich zögerte einen Moment. Ich wollte Tyler doch noch nicht jetzt sehen. Zuerst musste ich mir Gedanken darüber machen, wie ich mich genau entschuldigen sollte. Unsicher blieb ich still in meinem Zimmer sitzen und es klopfte noch einmal. Nein, ich wollte die Tür nicht öffnen - noch nicht.

"Lorna, ich weiss dass du hier bist", hörte ich Tylers Stimme.

"Du bist nie so früh frühstücken also öffne jetzt die Tür."

Erneut hämmerte er an die Tür bis ich sie endlich öffnete. Wir starrten uns beide für eine Weile nur an bis ich endlich einen klaren Gedanken fassen konnte und mich entschuldigte.

"Tyler...", ich legte eine kurze Pause ein, "es tut mir so leid. Ich meinte das gestern doch alles nicht so und ich gebe auch zu, dass du wirklich der vernünftigere von uns beiden bist."

Tyler stand da und sagte nichts. Ich fragte mich, ob ich vielleicht etwas falsches sagte. 

"Lass mir ein wenig Zeit. Vielleicht bis morgen", sagte er dann endlich und ging ohne sich zu verabschieden. 

Ich lehnte mich an die Tür und glitt zu Boden. Wie konnte ein Mensch in seinem Leben nur so viel Scheisse bauen wie ich. Zwar war es noch nicht vorbei zwischen Tyler und mir, doch ich befürchtete das Schlimmste. Ich machte mir so viele Vorwürfe dass ich erneut ich in einem Heulkrampf ausbrach. Ich  stoppte plötzlich zu weinen, denn der Gedanke daran, dass ich ganz alleine an allem schuld war, hinderte mich daran zu weinen. Ich wollte mich selbst nicht bemitleiden für das, was ich getan hatte. Trotzdem beschloss ich, die Schule heute zu schwänzen und mich anschliessend krank zu melden. 

Am Abend hielt ich es nicht mehr aus. Ich wurde diese schlechten Gedanken nicht los und ich wollte endlich Klarheit haben, was zwischen Tyler und mir war. So schlich ich zu Tylers Zimmer. Nach einem kurzen Klopfen öffnete er sofort die Tür und ich schlüpfte in sein Zimmer. Ich zögerte keine Sekunde und erzählte ihm sofort, was mich bedrückte:" Tyler, ich kann so nicht mehr. Ich will endlich wissen, wie es mit uns weitergeht." Er legte seine Hände auf meine Schultern und zog mich dicht an sich. 

"Ich verzeihe dir."

Ich wusste nicht was ich sagen sollte ausser ein einfaches "Ich liebe dich."

Ich war so unglaublich froh, dass Tyler mir doch noch verziehen hatte und mir wurde klar, so einen Tag wie diesen wollte ich nie mehr erleben. Ich hatte so Angst, den wichtigsten Menschen in meinem Leben zu verlieren, allein wegen meines Egos. Noch stundenlange lagen Tyler und ich aneinandergekuschelt im Bett bis wir anschliessend einschliefen.

 

10 Jahre später

Tyler und ich schlossen vor 8 Jahren die Schule ab und entschieden uns danach, gemeinsam in eine kleine Wohnung zu ziehen. Seither hat uns nichts mehr getrennt. Klar hatten wir die eine oder anderer Auseinandersetzung, doch das war alle nur halb so schlimm. Noch oft erinnerte ich mich an den Tag zurück als ich befürchtet hatte, Tyler zu verlieren und ich war immer noch froh über seine Entscheidung.

Mit meinem Vater hatte ich mittlerweile gar keinen Kontakt mehr, seit meine Mutter sich vor 4 Jahren von ihm getrennt hatte. Das war eine ziemlich überraschende Entscheidung von ihr, doch als er anfing auch meinen Bruder so zu behandeln, wie mich damals, reichte sie die Scheidung ein. Ich hatte immer noch so eine Wut auf meinen Vater. Gerne hätte auch ich eine normale Familie mit einem normalen Vater gehabt, aber an meinem Schicksal konnte ich leider nichts ändern. Obwohl, vielleicht hätte ich so nie Tyler kennengelernt, wenn mein Vater mich nicht ins Internat gedrängt hätte. 

Ich sass gerade auf der Coach und schaute fernsehen. 

"Schatz, ich hab' Hunger", sagte Tyler und ich begab mich in die Küche um das Abendessen zu zubereiten. 

Ich schaute mich im Kühlschrank nach Essen um, doch er war weider einmal leer. Ich riss jeden Schrank auf und hoffte auf Essen zu stossen, denn ich war heute einfach zu faul, etwas zu holen. 

"Tyler ich habe nichts mehr hier. Wollen wir uns eine Pizza holen gehen?" 

Er antwortet nicht und verwundert ging ich ins Wohnzimmer. 

Ich kreischte los. Vor mir kniete Tyler und um ihn herum lagen duftende Rosenblätter. In seiner Hand funkelte ein wunderschöner Verlobungsring. 

["Willst du meine Frau werden?"]

"Ja, ich will"

"Nein, ich will nicht"