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Nein, Tyler begleitet Lorna nicht nach Hause

Tyler zögerte kurz, doch antwortete mir dann: „Ich weiss, vielleicht bist du enttäuscht von mir, wenn ich nicht mitkomme.“

„Wieso enttäuscht? Ich bin sogar froh, hast du dich so entschieden.“ Dennoch schaute Tyler etwas betreten. 

„Weisst du das Gespräch von heute Morgen bin ich noch einmal in meinem Kopf durchgegangen und vielleicht ist es wirklich besser, wenn ich nicht mitkomme.“ 

Ich nickte und stimmte ihm zu:“ Ja finde ich auch. Ich will einfach nicht, dass dir irgendjemand etwas antut.“ Ohne auf meine Äusserung einzugehen, schlenderte er zur Tür und meinte:“ Wenn bei dir was nicht in Ordnung ist, ruf mich an.“ Ganz kurz konnte ich sein süsses Grinsen wieder auf seinem Gesicht erkennen. Er war bereits dabei die Zimmertür zu schliessen. 

„Warte!“ Tyler drehte sich zu mir um. 

„In einer Viertelstunde kommt meine Lieblingsserie im Fernsehen. Willst du hier bleiben und mitgucken?“

Endlich lachte Tyler wieder. „Ja, wieso nicht.“

Ich hopste wie ein kleines Kind auf mein Bett und klopfte mit der Hand neben mich. Tyler sass dicht neben mich und ich kuschelte mich an ihn. Seine Nähe zu spüren, war für mich das allerschönste. Vor ein paar Monaten glaubte ich noch nicht daran, jemals in meinem Leben so einen wundervollen Jungen kennenzulernen. Zwar war ich nicht hässlich, ich hatte süsse Sommersprossen und strahlende grüne Augen, doch immer zweifelte ich an mir selbst, da mich die Meisten nicht richtig mochten und mich auch oftmals grundlos beleidigt haben. Dennoch gab es ein Mädchen, meine beste Freundin, welche immer zu mir hielt. Ich wusste nicht warum, doch der Kontakt zu ihr, brach ab sobald ich im Internat ankam. Die Distanz zwischen uns war vielleicht einfach zu gross und ich hatte nicht wirklich Zeit, sie zu besuchen. Umso glücklicher war ich, bereits am ersten Tag im Internat jemanden neuen kennengelernt zu haben, welcher für mich nun zum wichtigsten Menschen in meinem Leben geworden ist. Nicht einmal meine Familie war mir so wichtig, wie Tyler es für mich war, verständlicher Weise. Ich hatte Angst vor der Ungewissheit an dem neuen Ort, an einer neuen Schule und ohne meine Familie. Doch für mich war dies, auch wenn es meine Eltern wohl nicht darauf abgesehen hatten, die beste Entscheidung. Keine Ahnung wie lange ich es zu Hause noch ausgehalten hätte. Wahrscheinlich wäre ich innerlich kaputt gegangen und würde jetzt vielleicht an Depressionen und extremen Selbstzweifeln leiden. Und wie hätte ich die Schule wohl überstanden mit diesen Asis von Lehrern. Jeden einzelnen Tag hatte ich Stress mit meinen Lehrern, weil ich einfach keinen Bock auf Schule hatte, dies mir auch ganz offensichtlich anmerken liess und dementsprechend unhöflich und unmotiviert war. Als Ergebnis brachte ich schlechte Noten nach Hause und meine Eltern bekamen mindestens einmal im Monat einen Anruf meines Lehrers. Heute ist dies alles ganz anders. Anfangs wollte ich auch hier mich nicht wirklich anstrengen, doch plötzlich änderte sich dies von dem einen auf den anderen Tag. Vielleicht hatte das Ganze auch etwas mit Tyler zu tun, denn er drängte mich oft dazu zu lernen oder meine Hausaufgaben zu machen. Ein Grund dafür konnte auch sein, dass ich Tyler beneidet habe und auch gerne so sein wollte wie er. Schliesslich war er nicht schon immer so ehrgeizig, such bei ihm änderte sich das erst später einmal. Nun ja, ich konnte froh sein, ist alles so gekommen, wie es kommen musste, denn dies bewirkte, dass ich mein Leben wieder mochte und nicht täglichen Streitereien mit Familie und Lehrern ausgesetzt war. 

 

Als ich am Morgen aufwachte, lag Tyler immer noch neben mir in den Kleidern vom gestrigen Tag. Die Decke lag ganz auf seiner Seite, weshalb ich überhaupt aufwachte. Ich drehte mich zum Nachttisch um und warf einen kurzen Blick auf die Uhr. Hastig schreckte ich auf.

"Scheisse!" Ich rieb mir die Augen und eilte zum Kleiderschrank.

"Was ist denn?", hörte ich Tyler murmeln.

"In einer halben Stunde fährt mein Zug und ich habe noch nichts gepackt!"

Tyler schlief bereits wieder und interessierte sich wohl nicht sehr für meine Antwort, doch das störte mich im Moment nicht. Ich riss ein paar Kleider aus dem Schrank und stopfte sie in den Rucksack. Ohne noch einmal zu kontrollieren, ob ich wirklich alles eingepackt habe, huschte ich ins Badezimmer und machte kurz das allernötigste. Danach schnappte ich mir den Rucksack und drückte dem immer noch schlafenden Tyler einen Kuss auf die Wange.

Ich rannte, um noch rechtzeitig den Zug zu erwischen. Gekonnt ignorierte ich all die komischen Blicke der Menschen, an denen ich vorbei rannte. Der Zug stand bereits da und ich legte noch einmal einen extra Sprint hin.

Da passierte es. Ein Mädchen etwa in meinem Alter kam mir plötzlich entgegen und ich rannte mit vollem Schuss gegen sie. Das Mädchen fiel zu Boden. Wir erstarrten beide für einen kurzen Moment, dann sprang das Mädchen auf und fiel mir in die Arme. Es war meine damalige beste Freundin.

"Ich habe dich so vermisst Lorna", sagte sie.

"Was machst du eigentlich hier?", hakte ich nach.

"Also-", während Haley zu erzählen begann, näherte ich mich langsam dem Zug, "Ich gehe auch ins Internat!"

Haley platzte fast vor Freude und strahlte mich an. Ich freute mich irgendwie gar nicht. Keine Ahnung wieso, denn Haley war bis vor kurzem noch meine beste Freundin und war immer für mich da. Ohne sie wäre ich wahrscheinlich das grösste Opfer auf dem ganzen Schulhof gewesen. Was war bloss mit mir los?

"Aber wieso musst denn du jetzt auch hier her? Ich meine du warst immer gut in der Schule im Gegenteil zu mir."

"Ja das stimmt, aber meine Mutter hat sich vor ein paar Monaten mit deiner Mutter getroffen und sie meinte, dass es dir hier super gefällt. Du weisst, meine Mutter will sowieso immer nur das Beste für mich, deshalb hat sie mich nun auch hier her geschickt." Ich nickte nur.

"Ähm Lorna? Das ist doch dein Zug?"

Ich sah wie die Türen sich schon schlossen und rannte los, um den Zug noch zu erwischen. Ich winkte ihr durchs Fenster, lehnte ich mich mit gemischten Gefühlen zurück in den Sitz und schloss meine Kopfhörer an. Ich bewegte meinen Kopf passend zum Takt der Musik und sah durch das Fenster wie die Bäume und Häuser nur so an mir vorbeiflitzten.

Nachdem ich die gleiche Playlist fast drei Mal durch gehört hatte, kam ich endlich bei meinem Zuhause an. Ich wurde von meiner Mutter liebevoll begrüsst und auch mein Bruder freute sich, mich endlich wieder zu sehen. Nicht wie viele andere Geschwister, hatten mein Bruder und ich ein sehr gutes Verhältnis zu einander und stritten uns kaum. Mein Vater war zum Glück nicht da, weil er anscheinend arbeiten musste, doch das machte mir überhaupt nichts aus. Ich sass gemeinsam mit meiner Mutter und Andrew, meinem Bruder am Küchentisch und assen den Kuchen, welcher meine Mutter am Morgen extra gebacken hatte. Ich hatte viel zu erzählen und so ging die Zeit auch schnell vorbei. 

 

Am Sonntagmorgen sass ich bereits wieder im Zug zurück ins Internat. Eigentlich hatte ich geplant erst am Sonntagnachmittag zurück zu fahren, doch als ich gestern Abend erfahren hatte, dass mein Vater nachmittags kommen würde, beschloss ich bereits am Morgen zu fahren. Der Tag gestern war schön und ich wäre gerne noch ein bisschen länger geblieben. Ich freute mich bereits Tyler wieder zu sehen. Auch wenn es erst ein Tag her war, dass ich Tyler das letzte mal gesehen habe, doch ich freute mich trotzdem ihn zu sehen. 

 

Nach einer Ewigkeit kam ich endlich wieder im Internat an. Es war gerade Frühstückszeit, weshalb ich schnell mein Gepäck in meinem Zimmer abstellte und mich darauf in die Kantine begab. Ich sah Tyler bereits an unserem Standardplatz sitzen und gegenüber von ihm Haley.

Ich traute meinen Augen nicht. Was wollte die denn da?! Ich wurde total eifersüchtig und eilte zu Tyler. Um Haley ebenfalls eifersüchtig zu machen, drückte ich ihm einen langen Kuss auf die Lippen und sass dicht neben ihn. Haley warf mir einen fragenden Blick zu und ich antwortete:" Ja richtig gesehen. Das ist MEIN Freund." Das "mein" betonte ich extra stark. Wie ich es bereits geahnt hatte, konnte ich Haley nur schon mit meiner Betonung provozieren und sie sprang sofort darauf an.

"Hast du gewusst, dass DEIN Freund auch einmal mein Freund war?"

Der arrogante Unterton, machte mich wütend.

"Das wüsste ich aber. Oder hast du mir das etwa die ganze Zeit verschwiegen?"

"Lorna Schätzchen, das war vor unserer Freundschaft."

Das konnte gut möglich sein, denn Haley und ich lernten uns erst vor bald 2 Jahren kennen als sie in die gleiche Stadt zog wie ich. Langsam begann ich zu begreifen, dass meine damalige beste Freundin mit meinem Freund zusammen war und sich nun probierte wieder an ihn ran zu machen, was mir so gar nicht passte.

"Wenn du glaubst, dass du dich an Tyler ranmachen kannst, dann hast du dich geschnitten!"

Haley setzte einen arroganten Blick auf und lachte frech.

"Wer sagte denn, dass ich mich wieder an ihn ranmache?"

"Das ist ja wohl ganz offensichtlich."

Plötzlich meldetet sich auch Tyler:" Mann Lorna, kannst du bitte mal aufhören mit deiner Eifersuchtsszene? Das nervt richtig."

Ich hatte erwartet, dass Tyler mich unterstützen würde, doch er war anscheinend auf Haleys Seite. Er nahm keinerlei Bezug auf das vorherige Thema und quaselte mit Haley freundlich da weiter, wo sie vorher stehen geblieben waren. Eine Wut stieg in mir hoch und ich ging hoch in mein Zimmer. Das wurde mir echt zu blöd mit den beiden.

Wieder einmal lag ich auf meinem Bett, um über alles nachzudenken. Wieso musste Haley nur hier auftauchen? Wieso hat sie ausgerechnet mit Tyler eine Beziehung gehabt? Das konnte doch nicht war sein. Wie in einem schlechten Film. Ich musste Haley los werden. Dann würde alles wieder in Ordnung sein. Doch wie? Ich packte meinen Notizblock aus dem Rucksack und schrieb ein paar Ideen auf einen leeren Zettel. Mir war klar, ich musste Haley so auf die Nerven gehen, dass sie von alleine wieder zurück wollte.

Es klopfte an der Türe, ich liess den Notizzettel schnell unter meiner Bettdecke verschwinden und öffnete Tyler dann die Türe. Anders als sonst begrüsste er mich nicht mit einem Kuss und ich wusste sofort, dass Tyler wütend auf mich war.

"Tyler ich hab' grad keine Zeit. In einer halben Stunde ist Schule und ich muss noch ein paar Sachen erledigen." Natürlich war das alles nur gelogen und ich hatte nicht wirklich wichtige Sachen zu tun, doch wenn ich etwas hasste, dann das Anhören einer Moralpredigt. Leicht verärgert kehrte ich ihm den Rücken zu und tat so als würde ich meine Schultasche packen.

"Lorna hör auf so beleidigt zu tun und hör mir zu!"

"Nein", erwiderte ich, "Ich hab' doch schon gesagt, ich habe noch etwas zu erledigen."

"Ach was denn?"

Ich kam ins Stottern. "Naja...ist doch auch egal oder. Fakt ist...ich habe keine Zeit"

Tyler war sichtlich verärgert. "Was ich dir sagen wollte. Hör auf so eifersüchtig gegenüber Haley zu tun. Sie hat doch gar nichts getan."

Ich liess meine Schultasche fallen und drehte mich wieder um zu Tyler.

"Ohh doch. Sie versucht sich gerade richtig an dich heran zu machen. Merkst du das nicht?"

"Das stimmt doch gar nicht. Wir haben uns einfach nur unterhalten und du machst gleich so ein Drama daraus. Typisch!"

"Wenn mein Freund sich zufälligerweise mit seiner Ex-Freundin unterhält dann ist dieses Drama aber sowas von gerechtfertigt."

"Nein ist es nicht, denn wie du bereits gesagt hast ist Haley meine Ex-Freundin und nicht mehr. Du hast wohl auch noch nie etwas von Freundschaft gehört."

"Haha aber bestimmt habe ich von Freundschaft gehört, doch du wusstest anscheinend nicht, dass Freundschaften zwischen einem Jungen und einem Mädchen nicht funktionieren können, weil einer von beiden sich immer verliebt in den anderen!"

"Ja und wenn schon. Ich bin mit dir zusammen Lorna! Wenn sie sich in mich verliebt, dann ist das doch scheiss egal. Ich liebe dich und keine andere. Begreif das doch endlich!"

"Ich versuche es ja." Zwar wollte ich es überhaupt nicht versuchen, doch ich wusste, dass Tyler sonst nicht locker lassen würde und ich ihn vielleicht so noch mehr verärgerte. Er lachte kurz und umarmte mich.

"Du weisst ich liebe dich", flüsterte er mir ins Ohr und verliess danach das Zimmer.

Ich warf mich aufs Bett. Meine Gefühle spielten verrückt. Einerseits war ich total wütend auf Tyler und Haley, aber andererseits war ich etwas glücklich, dass mit ihm alles wieder okay war. Trotzdem hatte Haley noch so einiges an Plagen zu erwarten. Ich lachte schadenfreudig. Bereits heute plante ich die ersten Streiche ein und packte die Dinge, welche ich dafür benötigte, in die Schultasche. 

Ich machte mich auf den Weg ins Klassenzimmer und betrat als erste, dachte ich zumindest, den Raum. Ich erschrak als ich jemanden ganz hinten sitzen sah. Wer hätte es gedacht, es war Haley.

"Hi Lorna", sagte sie mit verstellten Stimme und grinste mich frech an, "Ich gehe jetzt in die selbe Klasse wie du. Ist das nicht toll?" Als Antwort warf ich ihr einen beinahe tötenden Blick zu und hockte auf meinen Stuhl.

 

In der zweiten Stunde arbeiteten wir im Informatikraum an den Computern, welche uns jeweils zugeteilt wurden, damit man genau wusste, welche Person bei einem Schaden der Schuldige war. Ausgerechnet Haley sass heute neben mir. Statt meine Arbeit zu erledigen, grübelte ich über mögliche Streiche nach, welche ich während der Schule durchführen konnte. Denn vorher wusste ich noch nicht, dass Haley in meine Klasse kommen würde und so hatte ich die meisten Pranks ausserhalb der Schule eingeplant. Als das Klassenopfer, der offenbar schon ein Auge auf Haley geworfen hatte, sie dann aber um Hilfe bat, verliess sie ihren Platz und ging zu ihm. Ich liess nicht lange auf mich warten und setzte mich unauffällig an ihren Platz. Schnell brach ich die Knöpfe der Computer-Tastatur heraus und setzte sie an einem anderen Ort wieder ein, so dass schlussendlich alle Tasten vertauscht waren. Dafür brauchte ich nicht lange und sass rasch wieder zurück an meinen Platz.

Der Gong zum Ende der Stunde ertönte zum Glück gerade in dem Moment als Haley wieder zurück kam und deshalb packte sie gleich ihre Sachen zusammen. Ich war erleichtert, dass die Stunde gerade vorbei war, denn was ich nicht bedacht hatte, war dass Haley beim Weiterarbeiten mit Sicherheit bemerkt hätte, dass ihre Tastatur ein völliges Chaos war. 

 

Als ich am Mittag mit Tyler in der Kantine sass, sah ich wie Haley und Mr. Hartshorn im Flur standen und gerade etwas besprachen.

"Ich geh mal kurz auf Klo", teilte ich Tyler mit und schlich zum Flur. Ich versteckte mich hinter einer Säule und hörte mit was Hartshorn zu Haley sagte.

"Das ist dein erster Tag und du kannst froh sein, dass es nicht gleich dein letzter Tag ist."

"Aber ich war das doch gar nicht. Wirklich!"

"Das würde ich an deiner Stelle auch sagen."

"Aber sie müssen mir doch glauben. Wieso sollte ich das tun?" Ich sah wie eine Träne über Haleys Wange kullerte. Sie war sehr sensibel und nah am Wasser gebaut.

"Ja wieso du das gemacht hast, musst du nicht mich fragen. Aber hiermit beende ich die Diskussion. Ich hoffe so etwas kommt nicht mehr vor, ansonsten hat das bestimmt Konsequenzen für dich."

Er packte seinen Aktenkoffer, der neben ihm stand und entfernte sich mit schnellen Schritten. Haley stand ziemlich betroffen im Flur stehen und weinte. Ein schadenfreudiges Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen. Dass der erste Streich bereits so gut hinhaute, hätte ich nicht gedacht.

Haley drehte sich um und ich rannte schnell zurück an meinen Tisch in der Kantine. Kaum hatte ich Platz genommen, kam auch schon Haley zu unserem Tisch angetaumelt und heulte uns die Ohren voll. Sie ezählte uns die ganze Geschichte und ich meinte:" Ach wer macht denn so was?" Haley zuckte mit einer Augenbraue und schaute mich skeptisch an.

"Na vielleicht du Lorna. Du warst die einzige die in Informatik neben mir sass. Für dich wäre das also kein Problem gewesen." Ich tat so als wäre ich total verblüfft von ihrer Unterstellung.

"Ich?"

"Ja du. Aus welchem Grund auch immer."

Sie kehrte mir den Rücken zu und zischte davon. Tylers Stimmung war im Keller. Das ständige Gezicke zwischen Haley und mir ging ihm ziemlich auf die Nerven.

"Was soll das eigentlich?", fragte er mich und ich schaute ihn fragend an.

"Was meinst du jetzt genau?"

"Na das, was Haley jetzt gerade erzählt hat."

"Du glaubst der doch etwa nicht?", spottete ich.

"Ich glaube ihr das, was stimmt und ich bin mir ziemlich sicher, dass du das warst im Informatikunterricht."

"Woher willst du das wissen? Bist du mit mir in der Klasse? Nein, also woher willst du das wissen?"

"Lorna, das ist offensichtlich. Haley kennt noch keinen an dieser Schule, es ist ihr erster Tag und die einzige die einen Grund dafür hat bist du."

"Aber weshalb sollte ich so etwas tun?"

"Weil du eifersüchtig bist? Denkst du ich merke nicht, dass du etwas im Schilde führst?"

"Ah ja, woran merkst du das denn bitte?"

"Ich hab dich gesehen als du hinter der Säule standest und Haley beobachtet hast. Du musstest ja anscheinend auf Klo." 

Scheisse, dachte ich mir.

"Ach so ja..." Ich versuchte mein Stottern mit einem Lachen zu überspielen, doch Tyler blieb ernst.

"Lorna, du musst mir nichts vormachen. Ich weiss, dass du es warst."

Ich lenkte meinen Blick zum Boden und verschränkte die Arme.

"Versprich mir, dass sowas nicht mehr vorkommt! Zwischen Haley und mir wird nie mehr etwas werden, versteh das doch endlich. Ausserdem will sie dich doch nur provozieren mit ihren Anspielungen und du lässt dich voll darauf ein. Ignorier sie doch einfach!"

Es klingelte zur ersten Stunde und ohne etwas zu sagen oder mich von Tyler zu verabschieden eilte ich ins Schulzimmer. Ich konnte Kritik überhaupt nicht ertragen, weshalb ich meistens gar nicht darauf einging, wenn man mir etwas gesagt hatte.

 

Am nächsten Morgen war ich gerade dabei, meine Schulsachen zu packen, als es an der Tür klopfte. Da ich Tyler seit der Auseinandersetzung vom gestrigen Tag nicht mehr gesehen hatte, dachte ich es wäre er, doch Haley stand da und grinste eingebildet.

Mürrisch brummte ich:" Was?"

Haley drückte mich zur Seite und stolzierte in mein Zimmer. Sie baute sich vor mir auf und ich trat einen Schritt zurück.

"Da Tyler dir das höchstwahrscheinlich nicht erzählen wird tue ich das jetzt."

Ich verstand überhaupt nicht, was Haley mir sagen wollte.

"Und was hast du mir jetzt zu erzählen."

Sie kam ganz dicht an mich und wickelte eine Haarsträhne von mir um ihren Finger.

"Das freut dich vielleicht jetzt nicht so, aber ich denke das solltest du wirklich wissen."

"Jetzt komm doch mal zum Punkt!", ich stiess Haley weg von mir.

"Gestern Abend als du dich ja bereits in dein Zimmer zurück gezogen hast, habe ich Tyler im Gebäude angetroffen und wir verbrachten dann den Abend gemeinsam auf dem Schulhof."

Ich versuchte mich nicht provozieren zu lassen und tat als fände ich diese Geschichte ganz harmlos.

"Was ist daran jetzt so schlimm?" Haley brach in Lachen aus.

"Nicht schlimm? Gestern wärst du mir allein dafür an die Gurgel gesprungen, aber tut mir leid Schätzchen, das war noch nicht alles."

"Dann erzähl doch endlich mal, was passiert ist!" ich wurde langsam ungeduldig.

"Wir...wir haben uns geküsst."

Mein Gesicht entgleiste mir augenblicklich und ich stand wie angewurzelt da. Haley verliess den Raum bereits wieder und knallte die Tür hinter mir zu. Ich sank zu Boden un brach in Tränen, zugleich brodelte ich innerlich vor Wut. Als ich Tylers Stimme im Flur hörte, riss ich die Tür auf.

"TYLER! KOMM SOFORT HIER HER!"

Ich schrie durch den ganzen Flur, mir waren die Blicke aller anderer im Moment egal. Völlig unwissend trottete Tyler zu mir.

"Was ist denn?"

"FRAG NICHT SO DOOF! DU WEISST GANZ GENAU WAS IST!" Ich zog Tyler in mein Zimmer und knallte die Tür zu.

"Was ist los mit dir Lorna? Kannst du mir mal erzählen wo dein Problem liegt?"

"WO MEIN PROBLEM LIEGT?! MEIN PROBLEM LIEGT DARIN, DASS DU MIT HALEY GEKNUTSCHT HAST GESTERN ABEND!"

Auch jetzt schien er immer noch nicht ganz zu verstehen, was ich ihm gerade sagte.

"Ich habe was getan?"

"HALEY GEKÜSST, VERDAMMT!"

"Das stimmt doch überhaupt nicht! Wer hat dir das gesagt?"

"HALEY UND JETZT TU NICHT SO AHNUNGSLOS!" Tyler legte seine Hände auf meine Schultern.

"FASS MICH NICHT AN!" Ich schüttelte seine Hände wieder ab.

"Jetzt beruhig dich doch mal. Wieso glaubst du ihr denn jetzt plötzlich?"

Ich sass auf mein Bett und fuhr mir verzweifelt durch mein langes, braunes Haar. Ich wusste nicht, wem ich glauben sollte. Tyler kniete vor mir auf den Boden.

"Glaubst du aller Ernstes Haley und nicht mir?"

Ich seufzte:" Ich weiss nicht wem ich glauben soll."

"Lorna, wieso sollte ich so etwas tun, wenn ich dich habe? Wieso?"

Ich ärgerte mich wegen mir selbst. Wieso war ich so naiv und hörte auf Haley. War doch klar, dass sie nur erreichen wollte, dass ich mich mit Tyler streite und sie sich wieder ann ihn ranmachen kann. Ich fiel Tyler in die Arme und drückte ihn so doll ich konnte.

Er flüsterte mir ins Ohr:" Hör nicht auf sie."

 

Während dem ganzen Unterricht hatte ich darüber nachgedacht, wie ich mich am besten an Haley rächen könnte. Ich hatte so eine Wut auf dieses Mädchen und konnte ihr kaum noch in ihr hässliches Gesicht schauen, ohne ihr eine reinzuhauen. Wie konnte ich nur mit so einer hinterlistigen und arroganten Kuh befreundet sein. Ich wollte alle gemeinsamen Erinnerungen loswerden und so kramte ich mein Handy aus der Tasche. Ich war dabei alle Bilder von uns beiden zu löschen als mir ein total hässliches Bild von Haley ins Auge stach. Wie durch einen Geistesblitz fiel mir eine Idee für meine Rache ein.

In meinem Zimmer sass ich an den Computer und lud das Bild darauf. Meine Idee war es, dieses hässliche Bild von Haley gross auszudrucken und auf dem ganzen Schulareal aufzuhängen. Ich platzierte das Bild auf einem leeren Blatt und schrieb darunter 

Wer meine Nummer will, kann sich gerne bei mir melden!  

Danach druckte ich das fertige Exemplar aus. Ich wollte Tyler unbedingt von meinem Racheplan wissen lassen und war der Überzeugung, dass er die Idee nach der morgigen Aktion von Haley gut finden wird. Ausnahmsweise schlich ich mich einmal zu Tyler. Er öffnete mir die Tür und ich streckte ihm ohne etwas zu sagen mein Blatt mit Haleys Bild hin. Tyler riss es mir aus der Hand.

"Was hast du vor damit?!"

Ich war immer noch total begeistert von meiner Idee auch wenn Tyler mich im Moment noch skeptisch anschaute.

"Das wird die Rache an Haley wegen heute Morgen."

"Ohh nein Lorna! Ganz bestimmt nicht!"

"Du willst dich also nicht an ihr rächen? Hast du schon wieder vergessen, was sie heute abgezogen hat?"

"Nein ich habe es ganz bestimmt nicht vergessen aber ich bin hier vielleicht einfach der Vernünftigere von uns beiden und lass mich nicht auf so eine Scheisse ein!"

"Ich glaub's ja wohl gar nicht. Du willst das einfach so auf dir sitzen lassen?!"

"Ja ganz genau und du wirst das auch tun." "Haha ich?! Auf keinen Fall! Diese Kuh gehört von dieser ganzen Schule verbannt und soll gehasst werden von jedem einzelnen hier!"

"Die einzige die nach dieser Aktion hier von der Schule verbannt wird bist du!"

"Nein, weil niemand wissen wird, dass ich das war!"

"Irgendwann kommt alles ans Licht, vergiss das nicht!"

"Tyler ganz ehrlich! Du kannst mich mal! Du nervst mich langsam richtig wenn du dich wie mein Babysitter aufführst!"

"Ach jetzt nerve ich dich also?! Weisst du was, dann zieh deine Scheisse eben durch aber dann hast du die Rechnung ohne mich gemacht! Wenn du nach dieser Aktion dann keine Freunde, geschweige denn einen Freund hast, musst du nicht rumheulen! Ich habe dich gewarnt und ich meine es ernst! Pass gut auf, was du jetzt machst!"

Ich war so sauer auf Tyler und zugleich enttäuscht, dass er mich erstens nicht unterstützen wollte und mir zweitens damit drohte, Schluss zu machen. Ich warf Tyler einen wütenden Blick zu und ging zurück in mein Zimmer. Ich sass wieder an den Computer und überlegte mir, ob ich meine Rache-Aktion wirklich durchziehen sollte.

 

Soll Lorna ihre geplante Rache-Aktion an Haley durchführen?

- Ja, Lorna soll ihre Rache durchführen.

- Nein, Lorna soll ihre Rache nicht durchführen.