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Fortsetzung

Ich rannte und rannte. Ich hatte längst die Orientierung verloren, ein leichtes Stechen in meiner Brust verlangte Halt, doch alles fühlte sich viel zu unreal an. Bald würde ich aufwachen und alles wird sich als ein unendlich langer Albtraum herausstellen.

„Nein“, ein altbekanntes Wispern. Der Boden unter meinen Füssen veränderte sich. Ich sah feuchtes Laub und als ich meinen Blick hob, verdeckten dunkelgrüne Baumkronen und dichtes Geäst den Himmel. Ich bekam Angst.

„Weiter Lorna, es gibt kein Zurück!“

Diesmal rannte ich aus eigenem Willen. Ich wollte weg von der Stimme, weg von allem! Ich wollte, dass es ein für alle Mal aufhörte!

„Es gibt nur einen Ausweg, du weisst das!“

Das wütende Zischen in meinen Ohren entlockte mir einen heiseren Schrei. Mein Hals fühlte sich staubtrocken und rau an und ich hatte den metallischen Geschmack im Mund, als ich spürte, wie das Fleisch meiner Kehle zu bersten begann. Gänsehaut überzog meinen Körper und ein eiskalter Schauer rann meinen Rücken hinunter.

„SCHWEIG! SEI STILL! GEH WEG! LASS MICH IN RUHE, ICH KANN DAS NICHT MEHR!“

Meine Schreie schienen in den Bäumen zu verblassen und mir wurde klar, dass meine Hilferufe von keinem gehört werden können.

„Du kannst nicht gewinnen! Du hast schon längst verloren! Ich kann machen mit dir, was ich will und jetzt RENN!“

Ich schnappte gequält nach Luft und konnte nicht ankämpfen gegen den Drang. Ich tat, was die Stimme wollte. Krampfhaft versuchte ich aufzuwachen. Ich wollte aufwachen, aus diesem schrecklichen Traum. Ich nahm an Tempo zu und ignorierte das brennende Pochen meiner Beine, die nicht mehr weiter konnten. Ich registrierte vage die Umgebung, ich musste schon tief im Innern des Waldes sein. Tränen bahnten sich ihren Weg meine Wangen hinunter und ich brach zusammen. Der Boden war kalt und es wurde immer dunkler. Tausende Stimmen klangen in meinem Kopf und ich presste meine Hände auf meine Ohren, doch es half nichts, denn das hat nie geholfen. Ein Donnergrollen durchbrach die Abenddämmerung, ein Blitz folgte darauf. Augenblicklich begann es zu regnen und die fallenden Tropfen mischten sich mit meinen Tränen. Alles wurde zu laut, alles wurde zu viel. Ich wollte nicht mehr und die Erkenntnis traf mich: Ich wollte sterben.
Ein weiterer Blitz huschte über den Himmel und traf direkt in einen Baum. Der Boden vibrierte und es knackte neben mir. Der Baum fiel einige Meter neben mir zu Grunde bevor er in Flammen aufging. Lauter wurden die Stimmen, als versuchten sie die Geräusche der Umgebung auszulöschen. Ein weiterer Blitz, ein weiterer Knall, ein weiterer Baum. Wieder nahm alles an Lautstärke zu. Der Dritte Baum fiel. Ich war nun eingekreist in lodernden Flammen, doch trotz der steigenden Hitze war mir unglaublich kalt. Schwarzer Rauch benebelte alles um mich herum, meine Trommelfelle drohten zu reissen durch den stürmenden Lärm. Ich beobachtete die Flammen, die stetig zunahmen und mich jeden Moment zu erreichen schienen.
Ein Lachen übertönte jedes andere Geräusch und erst dachte ich, es sei die Stimme. Doch das Lachen war mein eigenes. Und das wahnsinnige Gelächter des wahnsinnigen Mädchens, zu welchem ich geworden war, war das letzte, was ich hörte. Dann war alles still. Für immer… 

 

Ende